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Vogelsang IP in der Eifel

Nach der Ankunft auf dem Vogelsang IP Gelände, welches zwischen Einruhr und Morsbach an der B266 liegt, entscheiden wir uns für eine kurze Radtour zur Wüstung Wollseifen. Es ist noch früh und heute soll es heiß werden. Also parken wir unser Wohnmobil auf dem Parkplatz an den Baracken von „Camp Schelde“.

Parkplatz am Camp Schelde

Parkplatz am Camp Schelde

Der Fahrer eines holländischen Wohnmobils, welches nach uns ankam, fragte ob wie hier übernachtet hätten. Wir verneinten. Aber eigentlich eine gute Idee hier über Nacht zu bleiben. Ob das wohl erlaubt ist? Toll wenn es hier einen Stellplatz gäbe. Die Überlegungen schieben wir für den Moment auf Seite und erleben am Nachmittag eine Überraschung. Später mehr dazu.

Radtour zur Wüstung Wollseifen

Wollseifen 2 km

Wollseifen 2 km

Dreiborner Hochfläche mit Blick auf Vogelsang IP

Dreiborner Hochfläche mit Blick auf Vogelsang IP

Also fix aufs Rad geschwungen und die 2 km, über die Dreiborner Hochfläche, in Richtung Wüstung Wollseifen in Angriff genommen. Der Weg durch den Nationalpark Eifel ist eher für Wanderer gedacht. Dennoch ist die Strecke über Waldwege und Schotterpiste auch mit dem Mountainbike oder Tourenrad gut zu bewältigen. Wem einige Abschnitte zu steil sind, steigt halt ab und schiebt oder kauft ein E-Bike.

Zu steil? Nicht schlimm - einfach schieben

Zu steil? Nicht schlimm – einfach schieben

Geschichte des Ortes Wollseifen

Wollseifen war bis zum Ende des zweiten Weltkrieges ein ganz normales Dorf. 1946 beschloss die britische Militärverwaltung Wollseifen zu räumen, um den Truppenübungsplatz Vogelsang zu errichten. Der 500 Seelen Ort wurde zum Sperrgebiet erklärt. 1950 wurde der Truppenübungsplatz in die Verwaltung durch das Belgische Militär übergeben, welches diesen bis ins Jahr 2006 betrieb. Genutzt wurde Camp Vogelsang sowohl von der belgischen Armee als auch von Truppen verschiedener NATO-Staaten. Durch Zielschießen und Brände zerstörte das Militär mit der Zeit die meisten Gebäude im Übungsdorf und entfernten die Reste später. Heute ist Wollseifen eine Wüstung und liegt im Nationalpark Eifel. Seit 2006 ist der Ort für die Öffentlichkeit und zur Besichtigung freigegeben. Weitere interessante Informationen rund um Wollseifen findet Ihr auf den Webseiten von Georg May und des Traditions- und Fördervereins

Zu den wenigen erhaltenen Gebäuden des ursprünglichen Dorfes gehören die Kapelle, die Schule, die Kirche St. Rochus und eine Trafo-Station. Die Kapelle befindet sich am Ortseingang. Die ehemalige Dorfstraße ist geschottert. Folgt Ihr der Schotterstraße gelangt Ihr zur Schule und der kleinen Dorfkirche.

Unser letzter Besuch in Wollseifen liegt mittlerweile drei Jahre (2015) zurück. Dementsprechend gespannt sind wir ob und was sich in dem ehemaligen Eifeldorf getan hat.

Das Dorf Wollseifen als Miniatur

Das Dorf Wollseifen als Miniatur

Wegekapelle an der Dorfstraße

Wegekapelle am Ortseingang

Wegekapelle am Ortseingang

Dorfkirche St.Rochus

Dorfkirche von Wollseifen

Dorfkirche von Wollseifen

Das Innere der Kirche St.Rochus fiel 1947 einem Brand zum Opfer. Sie wurde behutsam gesichert und mit modernen Kirchenbänken, sowie einem Kreuz zur Andacht ausgestattet. Original sind die wunderbaren Bodenfliesen im hinteren Teil des Kirchenschiffs.

Dorfkirche zur Erinnerung

Dorfkirche zur Erinnerung

Bodenfliesen

Bodenfliesen

Eingangsbereich der Kirche

Eingangsbereich der Kirche

Restaurierte Dorfschule in Wollseifen

Besonders gut gefällt uns die relativ frisch sanierte Dorfschule. 2015 noch eine festerlose Ruine, aus der Bäume wuchsen, erstrahlt sie jetzt in neuem Glanz. Die naturbelassenen Steinwände bilden einen schönen Kontrast zum schlichten Betonboden. Die Informationstafeln in den beiden Klassenzimmern sind hölzernen Schulbänken nachempfunden. Sie erzählen vom Dorfleben, der Zeit des Truppenübungsplatzes, den belgischen Soldaten und dem entstandenen Erinnerungsort.

Schule von Wollseifen - frisch restauriert

Schule von Wollseifen – frisch restauriert

Dorfschule frisch saniert mit informativer Ausstellung

Dorfschule frisch saniert mit informativer Ausstellung

Kulissenhäuser für Häuserkampf

Was Euch aber direkt ins Auge springen wird sind die weißen zugemauerten und unverputzten Neubauten, die überhaupt nicht ins Bild eines angeblich zerstörten Ortes passen. Von diesen sogenannten Kulissenhäusern wurden einst 52 Stück gebaut. In und mit diesen Gebäuden trainierten belgische Soldaten den Häuserkampf für Ihre Kampfeinsätze z.B. im Kosovo. Die Nationalparkverwaltung entschied, nach Abzug der Belgier 2006, aus Kostengründen nur 21 Häuser zu erhalten und zu sichern.

Wüstung Wollseifen - Spielplatz der belgischen Armee

Wüstung Wollseifen – Spielplatz der belgischen Armee

Übungsgelände für den Häuserkampf 1988 erbaut

Übungsgelände für den Häuserkampf 1988 erbaut

Zurück nach Vogelsang

Wir radeln nach unserem Besuch zurück nach „Camp Schelde“. Müde Wanderer können von der Wüstung Wollseifen mit der Pferdekutsche bis nach Vogelsang IP zurückfahren. Die Kutschenhaltestelle befindet sich neben der Dorfschule.

Pferdekutsche nach Vogelsang

Pferdekutsche nach Vogelsang

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